Presseartikel: Virtuelles Medienkompetenztraining an der FTS

Austausch zu „Digitalem Ich“, Gruppenchat und Cybermobbing

Virtuelles Medienkompetenztraining an der Fünf-Täler-Schule für Sechstklässler

Mit einem Medienkompetenz-Training der Medioca Akademie in Aichtal fand die Reihe der Webinare und Remote-Videopräsentationen an der Fünf-Täler Schule in Calmbach in der vergangenen Woche ihren – vorläufigen – Abschluss. Teilgenommen haben die Klassen der Jahrgangsstufe sechs am Donnerstag und Freitag in jeweils einer Doppelstunde, betreut von den Klassenlehrerinnen Gesine Winter (6a), Yvonne Hoffmann (6b), Helene Karsten (6c) und Carolin Wagenblass (6d). Medienpädagogin Nora Bünger referierte und moderierte zum Thema „Das Smartphone und dein digitales Ich – clever chatten, teilen und liken“. Der Austausch mit den Schülern erfolgte im angedockten Chatroom, wobei jeweils die Lehrkraft die Fragen und Antworten der Schüler eintippte. Für Kinder und Jugendliche sei das multifunktionale Smartphone „das zentrale Element ihrer digitalen Welt“ stellte Bünger eingangs fest, als sie die Schüler danach fragte, für was sie ihr Smartphone nutzen. Apps spielten dabei eine große Rolle, und die meisten Schüler einer Klasse sind auch in den gängigen Social Media-Kanälen und Messenger-Diensten wie WhatsApp, Instagram, Snapchat und TikTok unterwegs. Auf die Frage, nach welchen Kriterien ich entscheide, ob ich eine App installiere oder nicht, führte Bünger Empfehlungen von Freunden, das Alter des Nutzers und die Kosten bzw. Gebühren an.

 

Datensammler in der Hosentasche

 

Kostenfreie Apps funktionierten in der Regel nur über die Schaltung von Werbung oder die Sammlung relevanter persönlicher Daten, die dann weiterverwendet würden, führte die Medienpädagogin aus. „Wir haben quasi einen Datensammler in der Hosentasche, der allein über den Zugriff auf unseren Standort schon vieles ableiten kann“, so Bünger. Was an Informationen gesammelt werde, könne man über die Gewährung von „Berechtigungen“ selbst steuern, jedoch hänge von den erlaubten Zugriffen auf Handy-Daten letztendlich auch das richtige Funktionieren der jeweiligen App ab, führte sie aus. „Es gibt keine guten oder schlechten Berechtigungen, nur sinnvolle oder nicht sinnvolle“, fasste Bünger zusammen. Auf Tipps zur richtigen Kommunikation mit dem Smartphone, insbesondere auch innerhalb des Klassenchats, ging die Moderatorin im Folgenden ein. Das Phänomen „FOMO“ (= Fear of missing out, zu Deutsch: Die Angst etwas zu verpassen) sei weit verbreitet, auch wenn viel Belangloses in den Kanälen kursiere. Anhand des sogenannten „Sägeblatteffektes“ erläuterte Bünger die Folgen des ständigen Abgelenktseins und der damit verbundenen Konzentrationsstörungen, etwa beim Lernen. „Dadurch braucht man nicht nur länger für den Lernstoff, dieser werde auch nicht so gut aufgenommen“, schilderte sie die Folgen, wenn man ständig aufpoppende Nachrichten nicht ignoriere. Dazu könne man beispielsweise die WhatsApp-Gruppe stummschalten oder neue Benachrichtigungen ausblenden.

 

Warnung vor Kettenbriefen

 

Die Referentin warnte auch vor Kettenbriefen, da diese erfundene, meist Angst einflößende Geschichten seien oder unseriöse Promotion-Aktionen mit falschen Links. Wer hier unachtsam handle, könne auch schnell mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auf Schadensersatz verklagt oder strafrechtlich verfolgt werden, führte sie aus. Betrügereien, Nötigungen und Gewaltdarstellungen könne man durch eine Drittanbietersperre über seinen Netzanbieter einen Riegel vorschieben, lautete ihr Vorschlag. Auch das Thema „Cybermobbing“ wurde vorgestellt, bei dem laut Bünger, insbesondere in großen Gruppenchats, zunächst vieles unbemerkt ablaufe. „Keiner fühlt sich zunächst verantwortlich zu reagieren, dabei ist es gerade hier wichtig, sich zusammenzutun, Freunde anzusprechen und den Betroffenen zu helfen. Oftmals reichen schon kleine Gesten“, meinte sie. Unterstützung gebe es hier an der Schule durch Lehrkräfte, Vertrauenslehrer und Schulsozialarbeiter, aber auch im privaten Umfeld durch Eltern, Vereine und Jugendhäuser oder im Netz beim Kinder- und Jugendtelefon und bei den ehrenamtlichen Scouts der bundesweiten Online-Beratungsplattform Juuuport.de, informierte die Expertin. Bei der täglichen Kommunikation sei auch darauf zu achten, dass man Bilder von Personen von diesen freigeben lassen muss, bevor man sie ins Netz stellt. Nur wenn man bei großen Menschenmengen und ausreichend Abstand einzelne Personen nicht erkennen kann oder diese bereits berühmt sind, gebe es Ausnahmen.

 

Gemeinsame Regeln können helfen

 

Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen empfiehlt die Referentin eindeutige Formulierungen ohne ironischen Beigeschmack oder die Nutzung von passenden, eindeutigen Emojis. Auf digitale Kommunikation verzichten soll man laut Bünger, wenn Emotionen im Vordergrund stünden, das Gespräch länger dauere oder es Konfliktpotential habe oder wenn Sprachbarrieren zu überwinden und viele Teilnehmer zu erwarten seien. „Einfach mal genau überlegen, ob eine persönliche Aussprache unter den gegebenen Umständen nicht besser ist, hilft einem manchmal schon viel weiter“, gab sie den Schülern zu verstehen. Gerade in Gruppenchats, wie etwa einer Klasse, könnten gemeinsam definierte Regeln helfen, besser miteinander zu kommunizieren. Anhand des fiktiven Klassenkameraden Alex stellte Bünger das „digitale Ich“ vor. „Auch wenn wir vieles über den realen Alex wissen, wird dieser im Netz nicht alles über sich preisgeben“, meinte sie. Doch machte sie deutlich, dass oftmals schon wenige Hinweise Rückschlüsse auf die Person und deren Aktivitäten zuließen, über die man dann per Internetrecherche an weitere Informationen gelange. Bünger warnte in diesem Zusammenhang vor einem Kontrollverlust, zumal viele Inhalte dauerhaft gespeichert würden und irgendwann wieder auftauchen könnten, zudem sei die Zusammensetzung größerer Gruppen oft nicht klar. „Ihr habt es in der Hand, wie ihr euch wem zeigt und welche Dienste ihr dafür nutzt und ob ihr dabei die Grundsätze der Datensparsamkeit und der richtigen Einstellungen berücksichtigt – oder eben nicht“, appellierte sie an die Jugendlichen.

 

Influencer nicht immer ehrlich

 

Zum Abschluss ging Bünger auf Youtuber und Influencer ein, die versuchen, mit ihren Videobeiträgen Nutzer in ihren Kaufentscheidungen zu beeinflussen. „Schlüpft doch mal selbst in die Rolle eines Influencers und überlegt euch, was ihr zeigen würdet, wenn es euch mal nicht so gut geht oder wenn ihr ein Produkt, das ihr bewerben sollt, schrecklich findet. Seid ihr dann immer ehrlich zu euch selbst und damit zu eurem Publikum?“, lautete ihre Frage.  Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit konnte Bünger das Thema „Spiele“ nicht mehr ansprechen, erhielt aber positive Rückmeldungen, dass sie viel Wissenswertes und auch weiterführende Informationen und Links zum täglichen Umgang mit den digitalen Medien vermitteln konnte. „Den Workshop habe ich als gewinnbringend und interessant empfunden wobei deutlich mehr Aktivität und Einbezug der Schüler wünschenswert gewesen wäre. Aber da der Workshop online über eine Video-Konferenz lief, war dies leider nicht so gut möglich“, schilderte Gesine Winter ihre Eindrücke. Wie aus den Fragen an die Moderatorin ersichtlich, erkennen die teilnehmenden Jugendlichen durchaus auch die Gefahren, die von ihren Geräten ausgehen, wie etwa Strahlung, Kosten- und Virenfallen durch Abonnements oder unseriöse Promotion-Links, verstörende Kettenbriefe und Cyber-Mobbing.

 

Bericht & Fotos: Karin Ferenbach 

Entnommen aus: Wildbader Anzeigenblatt mit Calmbacher Bote vom 16.12. 2020

 

 

 

 

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